Betroffene müssen selbst aktiv werden!

Prof. Dr. med. Joachim Grifka

Herr Prof. Dr. Grifka, in Ihrem aktuell erschienenen Ratgeber „Gesunder Rücken“ geht es um Prävention, aber auch um bestehende Erkrankungen. Sind das die Hauptbereiche, mit denen sich die Orthopäden beschäftigen?

Der Fachbereich der Orthopädie befasst sich sehr eingehend mit Rückenproblemen, wobei die Prävention von Erkrankungen und die Behandlung bestehender Erkrankungen zwei Schwerpunkte sind. In unserem Alltag sind wir alle vielfältigen Belastungen des Rückens ausgesetzt, nicht nur durch körperliche Anstrengung, sondern auch durch eintöniges Verhalten. Schon Kinder sind betroffen durch anhaltend langes Sitzen und mangelnde Bewegung. Die Rückenschule für Kinder, wie sie in dem Patientenratgeber ausgearbeitet ist, gibt gute Hilfestellungen für Eltern und Lehrer, um bei den Kindern ein entsprechendes Bewusstsein zu schaffen, wie man sich rückengerecht verhält. Das Buch enthält konkrete Übungen für Freizeit und Schule und Verhaltensmaßnahmen. Gerade bei Kindern ist es wichtig, Haltungsschäden vorzubeugen und dafür zu sorgen, dass sie als Kinder, Heranwachsende und junge Erwachsene gute Voraussetzungen für ihr weiteres Leben – ohne Rückenbeschwerden – haben.

 

Was möchten Sie mit dem Ratgeber zur Rückengesundheit anstoßen?

Erkrankungen des Rückens können vielfältig sein. Deswegen ist es das Ziel des Buches, Betroffenen die Ursachen zu erklären, anatomische und biomechanische Veränderungen im Rücken zu verdeutlichen, einfache Behandlungs- und Verhaltensmaßnahmen – auch mit Hausmitteln – aufzuzeigen und schließlich mit einem gezielten Trainingsprogramm die Rückenmuskulatur schonend zu trainieren. Dieser Ratgeber dient durch seine Informationen auch dazu, dass Betroffene als informierte Patienten die richtigen Fragen beim Arzt stellen und aktiv an ihrem Genesungsprozess mitarbeiten.

 

Die Rückenschule für Kinder und kindgerechte Übungen spielen in Ihrem Buch eine große Rolle. Was würden Sie Eltern generell raten, wenn es um die Rückengesundheit ihres Kindes geht?

Ein großes Problem ist, dass unsere Kinder zu wenig Bewegung haben. Schon im Kindergarten wird geübt, ruhig zu sitzen. In der Schule gilt es als selbstverständlich. Aufgrund der langen Schultage und mangelndem Ausgleich, wird die Muskulatur nicht genügend trainiert und verkümmert. Dies führt zunächst zu Haltungsschäden der Kinder und schließlich zu Veränderungen, die sich bis in Knochenverformungen manifestieren. Wir sehen Jugendliche, die keine genügende Muskelkraft haben, um sich aufrecht zu halten und auch schon Kinder, die mit einem Rundrücken durch ständiges Sitzen in der normalen Ausbildung der Wirbelsäule gestört sind. Deswegen müssen wir alle Bemühungen in eine rückengerechte Erziehung der Kinder setzen. Dazu gehören sportliche Aktivität mit rückenfreundlichen Sportarten, Bewegungseinheiten, z. B. als sogenannte Bewegungspause, als Abwechslung zum anhaltenden Sitzen, und ebenso richtiges Verhalten im Alltag mit richtigem Sitzen, richtigem Heben und richtigem Tragen. Kinder erlernen dies sehr schnell und entwickeln Automatismen für eine gesunde Lebensweise.

 

Rückenbeschwerden sind so verbreitet, dass man von einer Volkskrankheit spricht. Welche Informationen kommen Ihrer Meinung nach in der Diskussion zu kurz?

Oft werden die ständigen Belastungen beklagt. In der Tat ist es aber häufiger so, dass die Betroffenen selbst aktiv werden müssen und selbst mehr tun können, um Rückenbeschwerden aktiv in den Griff zu bekommen. Eine Anleitung dazu findet man in dem Ratgeber. Hierzu haben wir auch im Rahmen von wissenschaftlichen Studien Übungen und Programme ausgearbeitet, überprüft und festgestellt, dass sie einfach und problemlos auszuführen und vor allem entsprechend wirksam gegen Rückenbeschwerden sind. Betroffene können und müssen vieles selbst tun, um Rückenbeschwerden zu überwinden, die von falschem Verhalten oder ungünstigen Belastungssituationen herrühren.

 Buchinfos zu: "Der große Ratgeber Gesunder Rücken" von Prof. Dr. Joachim Grifka